Im Gegensatz zu Sturmwinden haben Hitzewellen keinen Namen, sind anonym. Ich leiste Pionierarbeit und amte als Namensgeber für die aktuell drückenden, mich träge stimmenden Luftmassen, welche vor bald zwei Wochen über West- und Mitteleuropa sich eingerichtet haben, von SonnanbeterInnen anfangs herzlich willkommen geheissen wurden, uns seither mit brennenden Strahlen im Griff haben.
Furia sei ihr Name. Sie lässt Metallgeländer glühen, Eisenbahnschienen sich verformen, Kerzen schmelzen, verwandelt Rasen in Heu, lässt mich pflichtbewusst und lustvoll die Aktien einer Brauerei in die Höhe treiben, unseren Ventilator fast kollabieren.
Meine Geliebte ist überzeugt, dass die Region Basiliensis in Vorzeiten eine Wüste war, sie jetzt sengend ihre Rückkehr androht.
Unseren Aufenthalt in der marokkanischen Wüste vor wenigen Wochen verbinde ich mit ähnlichen taktilen Empfindungen.
Auf der Suche nach Abkühlung suchten wir nach 2 Nächten das Weite aus ihr, holperten stundenlang über Stein und Sand, um schlussendlich in der kleinen Stadt Foum Zguid wieder Asphalt unter den Rädern zu haben, an einem kühlen Getränk zu nippen.
Die Weite und die Stille der Wüste sind einzigartig. Die baumlose, heisse Leere ebenfalls.
Fische aus dem sich aufheizenden Rhein, seine Temperatur stieg in den letzten 14 Tagen um fast 6 Grad, suchen jetzt Abkühlung in der Birs, welche stellenweise einem Rinnsal gleicht.
Dem möglichen Dichtestress der Fischpopulation vorbeugend, verhängten die Behörden vor 3 Tagen ein allgemeines Badeverbot vom Birskopf, wo die Birs in den Rhein mündet, bis zur 500 Meter oberhalb liegenden Redingbrücke.
Furia ist eine Wucht, scheint nicht zu ermüden. Meine Mutter freute sich im Februar auf den Sommer, jetzt sehnt sie die kühlenden Herbstwinde herbei.
Die Medien laufen heiss, überbieten sich mit Schreckensszenarien, beschwören dramatisch mögliche Konsequenzen des sich beschleunigenden Klimawandels herauf.
Stimmen, welche die Auffassung vertreten, dass natürliche Klimaschwankungen eine grössere Rolle spielen als im Mainstream dargestellt wird, haben einen schweren Stand.
Mir fehlt das Wissen, um fundiert mitdiskutieren zu können.
Ich halte mich ruhig, erfreue mich am Lavendel in unserem Garten. Er scheint unter Furia aufzublühen, an Farbpracht zu gewinnen, die Liebkosungen der Bienen und der Schmetterlinge hingebungsvoll zu geniessen.
28. Juni 2026
