Ca. 950 Kilometer trennen Phuket in Thailand vom Stadtstaat Singapur, unterschiedlicher könnte ihr Erscheinungsbild nicht sein.
Pflichtgemäss füllte ich auf digitalem Weg die Singapore Arrival Card vor dem Flug aus. Die Passkontrolle in Singapur erfolgt digital. Der Pass wird eingelesen, die erste Schranke öffnet sich, das Gesicht wird gescannt, dann öffnet sich die zweite Schranke mit dem Vermerk “Welcome in Singapore”.
Für meine Geliebte wollte die erste Schranke sich partout nicht öffnen. Beim Ausfüllen ihrer Arrival Card hatte ich das o mit einer 0. verwechselt. Big Brother nimmt es genau. Joshua, ich stand bereits jenseits der zweiten Schranke, half aus der Patsche, füllte die Card nochmals aus.
Der digitalen Überwachung gefiel es jetzt: “Welcome Marli”.
Ohne Natel mit Internetverbindung, so scheint mir, verläuft das Erkunden dieser tropischen Millionenmetropole erschwert.
Im Restaurant scannt man den aufgelegten Code, bestellt digital, bezahlt digital. Nie gaben wir einer Bedienung persönlich eine Bestellung auf.
Steige ich in einen Bus oder in die Metro ein, aktiviere ich mit dem Natel meinen Reisestart, beim Aussteigen signalisiere ich auf dieselbe Art und Weise das Ende meiner Fahrt. Schlussendlich erhalte ich digital die Abrechnung, entscheidend ist die zurückgelegte Distanz.
Ich bin von der Organisation des Öffentlichen Verkehrs zutiefst beeindruckt, denke, dass der Besitz eines Autos hier ein Luxusgut darstellt.
Wer ein Auto in Singapur registrieren will, muss zuerst eine spezielle Lizenz erwerben. Diese ist rar, wird öffentlich versteigert, anfangs 2026 kostete sie mindestens 60’000 Schweizer Franken. Die erworbene Lizenz erlaubt über 10 Jahre hinweg den Besitz eines motorisierten Fahrzeugs, für welches zudem massiv hohe Steuern anfallen.
Auf diese Weise reguliert die Regierung den Strassenverkehr, motiviert zum Umstieg auf den Öffentlichen Verkehr, dessen Tarife wesentlich günstiger sind als die Preise der BVB in Basel.
Im Gegensatz zu Khosa Mui und Phuket rollt hier der Verkehr flüssig auf den breiten Strassen, Roller sehe ich kaum.
Einen Zebrastreifen zu finden gleicht hingegen oft einem Versteckspiel.
Singapur ist sehr warm, brutal schwül, die kurzen Regenfälle gleichen himmlischen Attacken. Ich wähne mich wieder in Manaus im Amazonasgebiet, wo Marli und ich 1988 heftig schwitzten. Damals liebte ich dieses Klima wesentlich mehr als heute.
Aus begreiflichem Grund findet das Alltagsleben vieler Personen in gekühlten Innenräumen statt. In den Einkaufscentern, welche wir besuchen, haben Fussballfelder Platz, sie sind hell und elegant, lassen den Brutofen vor den Eingangstüren vergessen.
Noah und ich entwickeln uns in ihnen zu Rolltreppen-Experten, ober- und unterirdisch.
Singapur ist sehr modern, kühne Architekur strebt in die Höhe. Alte Stadtviertel wurden, nachdem Singapur 1965 aus der Föderation mit Malaysia ausstieg und ein eigenständiger Staat wurde, systematisch abgerissen. Hunderttausende ihrer BewohnerInnen wurden in neu gebaute Hochhaus-Wohngegenden umgesiedelt.
Erklärte Ziele waren das Erschaffen einer modernen Handelsmetropole und eine Verbesserung der Hygiene. In den kleinen Vierteln Little China und Little India erhält man heute beim Flanieren einen winzigen Eindruck der reichen multikulturellen Vielfalt der ehemaligen britischen Kronkolonie.
Ich mag den Botanischen Garten. Eichhörnchen wetteifern mit den zahlreichen Roboter-Rasenmähern, ein Waran sonnt auf einem Stein, im grossen Teich schwimmen Schildkröten und Karpfen, die Orchideen-Ausstellung ist riesig.
Das Schlendern durch die Glasmenagerie, in welcher das Urwaldklima in bergiger Region simuliert wird, fasziniert mich.
Pünktlich um 19:45 Uhr startet die Garden-Rhapsody in der Marina Bay. Im Takt zu klassischer Musik werden 50 Meter hohe Baumstrukturen beleuchtet. Zartes Blau tanzt zärtlich zur hinreissenden Arie “l’amour est un oiseau” aus der Oper Carmen, ein Fest der Sinne für mich.
Die Gartenanlage Gardens by the Bay in der Marina Bay kombiniert auf riesiger Fläche Natur und futuristische Technologie.
Singapur denkt sehr gross.
Im Einkaufszentrum Changi Jewel stürzt Wasser aus einer gläsernen Kuppel 40 Meter in die Tiefe. Vom Mount Faber führt eine Gondelbahn zur Ferieninsel Sentosa, bietet Ausblick auf das Meer, bis zum Horizont sind kreuzende Tanker- und Lastschiffe sichtbar.
Liegt es auch am extrem sauberen Stadtbild, welches auf mich steril wirkt, dass ich mit Singapur nicht warm werde?
Als ich mit Noah auf dem Trottoir eine Glacé schleckte, warfen einige einheimische Frauen und Männer uns klar scheele Blicke zu.
Sicher liegt es auch an der zunehmenden Sättigung meiner Sinne. Reisen bereichert, ist spannend, anregend, fordert mich.
Ich schwelge, bin zutiefst dankbar für diese traumhaft reichen Tage zusammen mit meiner Familie in Asien.
Merci – Khop khun khrap – Terima kasih – Xièxiè – Nandri .
17. März 2026

Wow, muss sehr eindrucksvoll sein.
Genießt die Zeit. Liebe Grüße.