Phuket

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Am Samstag, 28. Februar verabschieden wir uns um 7 Uhr von Thiago. Er wird um 17:30 Uhr nach Singapur fliegen, dort eine Nacht bleiben und am Sonntag via Abu Dhabi und München nach Zürich fliegen.
So war der Plan.
Diesen durchkreuzten die Herren Trump und Netanjahu mit ihren Angriffen auf den Iran, welcher mit Drohnenangriffen auf amerikanische Stützpunkte in der Golfregion antwortete. Der Flugverkehr in dieser Gegend kam schlagartig zum Erliegen
Thiago ist nicht der Einzige, der seither in Singapur ausharrt, auf die Möglichkeit wartet, irgendwie nach Hause zu fliegen.
Ein Ehepaar, das er in Singapur traf, kaufte in der Not ein Ticket Singapur – Tokyo – Helsinki – Zürich, 30 Stunden dauerte ihre Reise.

Die Taxireise zur Fähre im Süden von Koh Samui führt mich zurück ins Jahr 1985, als ich Thailand mit Bus, Zug und Fähre bereiste.
Eine Frau kniet auf dem Trottoir vor einem buddhistischen Mönch. Sie reicht ihm in einem Plastiksack Esswaren, welche er in die Almosenschale legt, die vor seiner Brust baumelt. Ich mag die safranrote Farbe seiner Robe. Ruhe, Intimität, Vertrauen widerspiegeln sich für mich in dieser Szene, die ich vor 41 Jahren wiederholt beobachten durfte.
Nahe beim Fährterminal grasen dunkle Wasserbüffel, Ibis-Vögel leuchten weiss im satten, unberührten Grün.

Auf der neunzigminütigen Schiffsreise unterhält Noah mit seinen Tanzeinlagen und seiner Hymne “Z’Basel an mim Rhy” die Mitreisenden.
Auf der anschliessenden Fahrt im vollen, heissen Reisebus behalte ich den spindeldürren Fahrer im Auge. Er meistert alleine die knapp 300 Kilometer nach Phuket, liebt es kräftig auf das Gaspedal zu treten. Ich bin froh um 18 Uhr den Busterminal in Phuket zu erreichen.
Eine weitere Stunde dauert die Taxifahrt durch Phuket zu unserer Ferienwohnung nahe beim Kata-Karon Strand, wo wir jeweils das spektakuläre Eintauchen der Sonne ins Meer bewundern.

Der Strand ist fest in russischen Händen. Auf englisch und kyrillisch sind die schriftlichen Informationen im öffentlichen Raum festgehalten.
Alex lebt in Moskau, ist mit seiner Familie für 1 Woche direkt nach Phuket geflogen. In seiner Heimatstadt herrschen Minustemperaturen, die Menschen waten durch Schnee. Mein Gesprächspartner erzählt, dass seine Wohnung eine Standardtemperatur von 25 Grad hat, dies bei stets geöffneten Stubenfenstern. Sein Sohn trägt zu Hause immer Shorts, mag den Strand und das Meer hier nicht, sitzt missmutig neben seinem Vater.
Ein Taxifahrer informiert uns, dass Chinesen, Inder und Russen die Hauptreisegruppen in Phuket stellen. Mir fällt auf, dass ich keine chinesischen Frauen und Männer am Strand sehe, sie hingegen in Gruppen im Schatten wahrnehme, viele von ihnen mit Sonnenschirmen und riesigen Hüten sich vor der sengenden Sonne schützend.

Beim Spielen am Strand schaue ich immer wieder links hoch, bestaune den 25 Meter breiten Po der 45 Meter hohen marmornen Buddha-Statue, welche auf dem Nakkerd- Hügel sitzt. Was geht wohl durch seinen Kopf?
Mit wieviel Nachsicht, mit welcher Gelassenheit nimmt er das Verkehrschaos, den enorm geschäftigen Menschenauflauf zu seinen Füssen und hinter seinem Rücken auf?

Mit äusserst begrenztem buddhistischem Gleichmut nehme ich den Gang von unserer Wohnung zum Strand wahr.
Trottoirs fehlen, wir schieben uns an parkierten Fahrzeugen entlang, suchen Schutz vor den wespenartig heran brausenden Rollern, decken Noah vor den Lastern ab, kommen dabei gehörig ins Schwitzen.

Freude habe ich an der sino-portugiesischen Architektur in der Altstadt von Phuket. Portugiesen und Chinesen, angelockt von den reichen Zinnminen in der Region, liessen wunderschöne Häuser mit farbigen Kachelböden errichten.
Jeden Sonntag ab 16 Uhr wird der Strassenverkehr in der Altstadt ausgesperrt, Musik wird gespielt, Strassenküchen verbreiten ihre Gerüche, ziehen in Scharen uns Reisende an.

Sehr abenteuerlich gestaltet sich das Prozedere am Flughafen Phuket. Menschenmassen stauen sich vor den Schaltern, vor der Passkontrolle herrscht absolutes Chaos, spür- und riechbar ist der unerbittliche Wettkampf um den nächsten Schritt nach vorne.
Nach 45 Minuten informiert man uns, dass wir schneller vorankommen, wenn wir am linken Schalter dem Beamten 1000 Baht, umgerechnet 25 Franken, in die Hand drücken.
Fristgerecht erreichen wir das angegebene Gate um festzustellen, dass man nicht allen Informationen trauen kann.
Ende gut, alles gut, auf nach Singapur!

14. März 2026


2 Kommentare

  • Danke Markus, ich lese Deine Berichte immer wieder und freue mich sehr, dass Du und deine Frau so tolle Reisen machen und mich daran teil haben lassen. Ich bin immer mit meiner Schwester gereist, wir durften auch viel Schönes entdecken, die immer noch sehr präsent sind und wie uns noch darüber fröhlich unterhalten können, Meine Schwester ist gestern 90 Jahre alt geworden, deshalb verständlicherweise nicht mehr so unternehmungslustig. Ich bin 3 Jahre jünger und würde noch gerne unsere schöne Welt besuchen, doch ich habe schon viel gesehen ,doch wenn das Fernweh mich überfällt, nehme ich das Fotoalbum zur Hand und gehe genüsslich darin spazieren.
    Mit lieben Grüssen
    Cécile

  • Lieber Markus
    Äusserst spannende Reportage.
    Und ich stelle unser neues Lehrmittel am hep Tag in Bern vor, während draussen Schneetreiben ❄️ zu beobachten war!
    Welche Gegensätze das doch sind.
    Viel Spass in Singapur.
    Lieben Gruss
    Beat